Schadenfall: Wickeln alle Versicherer gleich gut ab?

Schadenfall abgelehntDer Mythos ist so alt wie die Versicherungsindustrie: „Wenn man mal was hat, dann zahlt die Versicherung doch nicht“. Doch wo liegen die Gründe dafür? Wollen die Versicherer wirklich keine Entschädigung leisten?

 

Ausschlussklauseln und fehlende Deckungserweiterungen

Die publizierten Schaden-Kosten-Quoten belegen, dass die Versicherer grundsätzlich Leistungen erbringen. Doch auch wenn viele Schadenfälle zufriedenstellend abgewickelt werden, so gibt es immer wieder Fälle, bei denen die Leistungserbringung nicht mit den Erwartungen der Kunden übereinstimmt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Oft ist eine Ablehnung in klaren Ausschlussklauseln in den Policen begründet. Teilweise fehlen aber auch Deckungserweiterungen in der Versicherungspolice.

Die Statistik zeigt aber nicht auf, ob es Unterschiede bei der Leistungsbereitschaft und der Dienstleistungsqualität (Abwicklung und Unterstützung im Schadenfall) gibt. Denn eine tiefe Schaden-Kosten-Quote kann ebenso auf eine solide Risikoprüfung und eine tiefere Kostenstruktur zurückzuführen sein, und muss somit nicht zwangsläufig auf eine leistungsverweigernde Haltung des Versicherers hindeuten.

Versicherer handeln weniger kulant als früher

Wenn man einmal von Bagatellschäden absieht, gehören die Zeiten, in denen die Versicherer Schadenfälle noch kulant abgewickelt haben, aber der Vergangenheit an. Ursächlich für diese Entwicklung ist die Deregulierung des Versicherungsmarktes und der daraus folgende Preiskampf.

Neben der Schadenzahlung ist aber auch eine professionelle Unterstützung im Schadenfall wichtig. Hier können sich die Versicherer auszeichnen, auch wenn ein Schadenfall später dann gegebenenfalls trotzdem abgelehnt oder gekürzt werden muss.

Unterschiede zwischen den Versicherern

Die Erfahrung zeigt, dass es einerseits zwar generelle Tendenzen bei der Schadenabwicklung gibt, aber anderseits auch versichererspezifische Unterschiede bestehen. So gibt es Versicherer, die generell eine kundenorientierte Leistungserbringung zeigen, während andere Versicherer das Kleingeschriebene zum eigenen Nutzen interpretieren. Dabei sind durchaus gewisse Muster bei der Schadenerledigung erkennbar. Angefangen bei einer Verzögerung der Schadenabwicklung mittels Einforderung von immer weiteren Unterlagen bis hin zu nicht fundierten Ablehnungsschreiben mangels genauer Prüfung.

Unterschiede bei der Leistungsbereitschaft sind vor allem in folgenden Bereichen festzustellen:

Grossschäden vs. Kleinschäden

Insbesondere in Hinblick auf die Höhe der Schadensumme zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Schadensabwicklung. Kleine Schäden werden zumeist unkompliziert abgewickelt. Übersteigt der Fall aber eine gewisse Schadenhöhe, dann schauen die Schadenexperten teils sehr genau hin. Dabei wird auch den Pflichten des Versicherungsnehmers ein grösseres Augenmerk geschenkt.

Versicherungsart

Unterschiede sind aber auch je nach Versicherungsart feststellbar. So lässt sich bei einigen Versicherungsarten die Leistungspflicht relativ eindeutig beurteilen. Dies ist normalerweise bei Sachschadenereignissen wie Feuer, Glasbruch oder Einbruchdiebstahl der Fall. Schadenfälle im Bereich der Vermögensschäden wie Betriebs-, Berufs- und Organhaftpflicht bieten hingegen mehr Spielraum für Diskussionen. Hier werden dann schnell Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherern in Bezug auf die Leistungsbereitschaft deutlich. Bei einer Haftpflichtversicherung, zum Beispiel, darf der Versicherungsnehmer ohne Einverständnis des Versicherers keinen Vergleich treffen, da der Versicherer sonst seine Leistungspflicht verweigern kann. Dies kann dazu führen, dass ein Unternehmen einen Rechtsstreit beilegen möchte, der Versicherer aber aufgrund seiner Schadenbeurteilung dagegen ist und somit ein Fall über Jahre hinweg weiterschwelt.

Fazit

Die Versicherer erbringen Leistungen, wie die Schaden-Kosten-Quoten belegen. Doch sind sie aufgrund des vorhandenen Kostendrucks heutzutage weit weniger kulant als früher. Zudem sind teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den Versicherern in Bezug auf die Leistungserbringung feststellbar. Deshalb ist es wichtig, bei der Auswahl eines Versicherers nicht allein auf die Kosten, sondern auch auf die Leistungsbereitschaft und Dienstleistungsqualität zu achten. Sprechen Sie diesbezüglich mit Ihrem Versicherungsberater oder wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.

Tipps vom Experten

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  1. Qualität der Schadenabwicklung als Auswahlkriterium bei Versicherungsabschluss berücksichtigen
  2. Beim Abschluss der Versicherung mit offenen Karten spielen und alle relevanten Risikoinformationen zur Verfügung stellen
  3. Policendokumente prüfen, allfällige Ungereimtheiten schriftlich beanstanden und Korrektur verlangen
  4. Bei komplexen Schadenfällen einen Fachmann hinzuziehen, der den Fall begleitet

Fallstricke

  • Neue Tochtergesellschaft oder Standort fehlt in der Police
  • Pflichten wurden verletzt (z.B. Schadenmeldung erfolgt zu spät)
  • Vereinbarter Versicherungsschutz entspricht nicht dem Bedarf (z.B. Deckungserweiterung fehlt)
  • Anspruch ist verjährt
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