Unfallversicherung: Leistungskürzung oder -verweigerung bei gefährlichen Sportarten und Tätigkeiten

Risikosport WagnisseNeue und teils riskantere Sportarten gewinnen zunehmend an Attraktivität, denn immer mehr Leute suchen den ultimativen Kick. Doch viele dieser Risikosportarten sind auch mit einer nicht zu unterschätzenden Verletzungsgefahr verbunden. Wer sich, wie bei diesen Risikosportarten, aus freien Stücken in Gefahr begibt, setzt dabei aber seinen Unfallversicherungsschutz aufs Spiel. Dies gilt auch, wenn sich der Versicherungsnehmer in seiner Freizeit bei einer körperlichen Auseinandersetzung, wie zum Beispiel eine Rauferei oder Schlägerei, verletzen sollte.

Unfallversicherung kann bei Mitverschulden die Leistung kürzen

Vielen Arbeitnehmern ist nämlich nicht bewusst, dass bei Nichtberufsunfällen die Geldleistungen, wie zum Beispiel Taggeld oder Rente, basierend auf den gesetzlichen Bestimmungen gekürzt werden können, wenn dem Versicherten eine Mitschuld an dem Unfall zuzuschreiben ist. In besonders schwerwiegenden Fällen kann die Unfallversicherung die Geldleistungen sogar komplett verweigern. Die Unfallstatistik belegt, dass dies jährlich in Hunderten von Fällen geschieht und einen 2-stelligen Millionenbetrag ausmacht.

Insbesondere in folgenden Fällen werden Leistungen in der obligatorischen Unfallversicherung gekürzt oder verweigert:

Wie können Sie Ihre Mitarbeiter schützen?

Je nach Schwere des Unfalls muss in der Folge nicht nur mit hohen Behandlungskosten, sondern auch mit erheblichen Einkommenseinbussen gerechnet werden. Wenn dann die Unfallversicherung die Geldleistungen kürzt oder gänzlich verweigert, kann das für die betroffenen Familien existenzbedrohend sein.

Als Arbeitgeber können Sie Ihre Mitarbeiter aber davor schützen. Mit einer Zusatzversicherung zur obligatorischen Unfallversicherung lässt sich sicherstellen, dass die Versicherung auch bei Unfällen, die auf aussergewöhnliche Gefahren, Wagnisse oder Grobfahrlässigkeit zurückzuführen sind, die vertraglich vereinbarten Leistungen in vollem Umfang erbringt.

Welche Einschränkungen gibt es?

Von der Zusatzdeckung ausgenommen sind in der Regel Ereignisse, die in Zusammenhang stehen mit:

  • Alkohol- und/oder Drogenkonsum
  • Vergehen und Verbrechen
  • absichtlicher Herbeiführung des Unfalls

Der Versicherungsumfang kann je nach Anbieter variieren. Sprechen Sie diesbezüglich mit Ihrem Versicherungsberater oder wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.

Tipps vom Experten

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  1. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter proaktiv über den Unfallversicherungsschutz. Weisen Sie dabei insbesondere auch auf Einschränkungen (z.B. Wagnisse / Risikosportarten) hin.
  2. Sofern die Firma keine Versicherungslösung anbieten kann, besteht für den Mitarbeiter die Möglichkeit, eine Einzelversicherung abzuschliessen. Diese wird jedoch nur selektiv angeboten und ist mit verhältnismässig hohen Kosten verbunden. Vereine oder Clubs stellen teilweise Rahmenverträge zu etwas vorteilhafteren Konditionen zur Verfügung.
  3. Zudem lohnt sich der Abschluss einer umfassenden Privathaftpflichtversicherung, denn bei einem Unfall können auch Dritte geschädigt werden.

Fallstricke

  • Unfall-Zusatzversicherung gilt nur für bestimmte Personengruppen (z.B. Kadermitarbeiter)
  • Mehrere Arbeitgeber mit unterschiedlichen Versicherungslösungen

Aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse

Diesbezügliche Bestimmungen sind insbesondere in folgenden Verordnungen und Gesetzen zu finden:

Art. 50 Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)

  1. Bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, werden die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren Fällen verweigert.
  2. Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken. Rettungshandlungen zugunsten von Personen sind indessen auch dann versichert, wenn sie an sich als Wagnisse zu betrachten sind.

Art. 39 Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)

Der Bundesrat kann aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von Artikel 21 Absätze 1-3 ATSG ordnen

Art. 21 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ASTG)

  • Hat die versicherte Person den Versicherungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt oder verschlimmert, so können ihr die Geldleistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder in schweren Fällen verweigert werden.
  • Geldleistungen für Angehörige oder Hinterlassene werden nur gekürzt oder verweigert, wenn diese den Versicherungsfall vorsätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens herbeigeführt haben.
  • Soweit Sozialversicherungen mit Erwerbsersatzcharakter keine Geldleistungen für Angehörige vorsehen, kann höchstens die Hälfte der Geldleistungen nach Absatz 1 gekürzt werden. Für die andere Hälfte bleibt die Kürzung nach Absatz 2 vorbehalten.
  • Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar.
  • Befindet sich die versicherte Person im Straf- oder Massnahmevollzug, so kann während dieser Zeit die Auszahlung von Geldleistungen mit Erwerbsersatzcharakter ganz oder teilweise eingestellt werden; ausgenommen sind die Geldleistungen für Angehörige im Sinne von Absatz 3.

Die SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) hat aktuell folgende Wagnisse aufgeführt:

Absolute Wagnisse

Bei folgenden Sportarten/Tätigkeiten werden bei Unfällen die Geldleistungen gemäss Art. 50 UVV um 50% gekürzt. Zu beachten ist, dass diese Auflistung nicht abschliessend ist. Als absolute Wagnisse gelten auch andere Aktivitäten mit vergleichbarem Risiko.

  • Autocross-, Berg-, Rundstrecken-, Stockcarrennen inkl. Training; Auto-Rally-Geschwindigkeitsprüfungen; Autofahren auf Rennstrecken, ausgenommen Fahrsicherheitskurse
  • Speedflying, Base-Jumping, Hydrospeed / Riverboogie (Wildwasserfahrt bäuchlings auf Schwimmbob liegend)
  • Fullcontact-Wettkämpfe (bspw. Boxwettkämpfe), Karate-extrem (Zertrümmern von Back- oder Ziegelsteinen oder dicken Brettern mit Handkante, Kopf oder Fuss), bewusstes Zertrümmern von Glas
  • Motocrossrennen inkl. Training auf der Rennstrecke
  • Motorbootrennen inkl. Training
  • Motorradrennen inkl. Training und Motorradfahren auf einer Rennstrecke (ausgenommen Fahrsicherheitskurse)
  • Abfahrtsrennen mit Mountain-Bikes inkl. Training auf der Rennstrecke (sogenanntes Downhill-Biking)
  • Quadrennen inkl. Training
  • Rollbrettabfahrten, sofern wettkampfmässig oder auf Geschwindigkeit betrieben
  • Schneemotorrad-Rennen (Snow-Cross) inkl. Training
  • Ski-Geschwindigkeits-Rekordfahrten
  • Tauchen in einer Tiefe von mehr als 40 Metern
Relative Wagnisse

Ebenfalls mit einer Kürzung der Geldleistungen um 50% hat zu rechnen, wer bei an sich voll gedeckten, aber mit grossen Risiken verbundenen Sportarten/Tätigkeiten die üblichen Regeln oder Vorsichtsgebote in schwerwiegender Weise missachtet. Als relative Wagnisse gelten beispielsweise:

  • Bergsteigen oder Klettern oder Schneesportaktivitäten abseits markierter Pisten bei schwerwiegender Missachtung der üblichen Gebote (Ausrüstung, Erfahrung etc.)
  • Gleitschirm- und Hängegleiterfliegen bei sehr ungünstigen Windbedingungen.

Als relative Wagnisse gelten auch andere Aktivitäten, bei denen die objektiv grossen Risiken nicht auf ein vertretbares Mass herabgesetzt wurden.

Beispielhafte Artikel des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV

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